Bioshock Infinite: Komplexe Geschichte, großer Spielspaß

Luftschiffe bei Bioshock Infinite

Mehrere Wochen habe ich gezögert mich an diesen Beitrag zu setzen. Es ist gar nicht so leicht eine Review für eine Spiel zu schreiben, das man selbst als genial bezeichnen würde. Wo bleibt denn da die Objektivität?

Bioshock Infinite ist der dritte Teil der Bioshock Reihe und entführt den Spieler diesmal nicht unter Wasser, sondern in schwindelerregende Höhen. Die fliegende Stadt Columbia splittete sich unter ihrem großen Führer Hale Comstock vom US-Bundesstaat Columbia ab und lebt nun nach ihren eigenen Gesetzen.

Bei der Gestaltung der Spielwelt und der Story macht Bioshock Infinite alles richtig

engelsstatue bioshock infinite
Überall verkünden Statuen und Plakate die religiösen Absichten der Anhänger Comstocks

Als Spieler startet ihr in einem Boot, das an einem verlassenen Leuchtturm angelegt. Nachdem man dort abgesetzt wird betritt man einen Stuhl, der den Protagonisten Clinton DeWitt nach Columbia katapultiert. Der Protagonist ist sich offenbar nicht bewusst, worauf er sich eingelassen hat und was ihn in Columbia eigentlich erwartet. Es stellt sich jedoch heraus, dass er ein Mädchen retten möchte, das von dem strengreligiösen Volk dort offenbar festgehalten wird.  Dass dieser Trip aus dem Ruder läuft ist nicht schwer zu erraten, denn Bioshock Infinite ist schon wie sein Vorgänger ein Ego-Shooter, der nicht zimperlich mit expliziter Gewaltdarstellung und Komplexität der Story umgeht. Von letzterem möchte ich auch gar nicht noch mehr verraten, denn das Highlight des Spiels ist zweifelsfrei seine mitreißende und unvorhersehbare Geschichte – ganz im Gegensatz zu Tomb Raider, das ich letzte Woche als Test vorgestellt habe. Hier wurde eine Menge Gehirnschmalz investiert und die Charaktere wurden glaubwürdig in Szene gesetzt. Das liegt nicht nur an der guten Vertonung und der filmreifen Darbietung aller NPCs und Elementen, die in der Story dem Spieler beiseite stehen, sondern auch an der grandiosen Spielwelt.

gebäude stürzt ein bioshock infinte
In actionreichen Scriptingsequenzen wird die Geschichte rasant vorangetrieben.

Die reine Gestaltung der Welt ist leicht im Comicstil gehalten. Obwohl alle Charaktere menschlich sind und sich auch entsprechend verhalten, lässt sich ein gewisses Comic-Spielgefühl nicht abschalten, was möglicherweise auch am überspitzt klischeehaften Verhalten der Darsteller liegt (ist nicht negativ gemeint – es fügt sich nämlich nahtlos in die Geschichte ein). Die Welt – Columbia –  besteht aus vielen Häusern und Parks, die in Stadtviertel aufgeteilt sind und sich auf fliegenden, großen Felsbrocken befinden, welche sich wie Schiffe bei schwachem Wellengang auf und ab bewegen. Verbunden sind sie mit sogenannten Skylines. Das sind Leitungen, an denen Waren transportiert werden, die aber auch gleichzeitig in Verbindung mit merkwürdigen Handwerkzeugen als „Fußweg“ benutzt werden können. Dabei spielen sie auch in Kampfsequenzen eine wichtige Rolle und können ein Gefecht vom Boden in die Luft verlagern. Die Columbianische Polizei verfügt zusätzlich über Luftschiffe und Gondeln und ist so auch in der Luft mobil.

Gameplay und Technik

Vigors Plasmide
Plasmide heißen jetzt Vigors

Die Steuerung ist sehr leicht und von jedem auch genrefremden Spieler zu bewältigen. Neben einigen Waffen hat man zusätzlich die Möglichkeit bionische Fähigkeiten gegen Gegner einzusetzen. Daher kommt ja auch der Name „Bioshock“. Plasmide (so hießen sie in Bioshock 1 und 2) heißen jetzt Vigors, erfüllen aber ähnliche Zwecke. Aufgefüllt werden sie durch Salze, die überall herumstehen und eigentlich nie für einen Mangel sorgen.

wiederbelebung nach spielertod
So werdet ihr wiederbelebt. Am Quick Tipp könnt ihr erkennen, welche Konsequenzen ein Spielertod mit sich zieht

Das Spiel habe ich auf dem Schwierigkeitsgrad normal durchgespielt. Es war ein Kinderspiel. Auch auf schwer soll es ja sehr leicht zu meistern sein. Durch die ständige Verfügbarkeit von Munition und Salzen, sowie durch die zahlreichen Automaten, wo man jederzeit für wenig Geld Ausrüstung und Munition kaufen kann, kommt eigentlich jeder relativ problemlos auch durch ernste Gefechte. Ich vermute das hat wieder viele Spieler gestört. Beim ersten Bioshock war ja der Hauptgrund für den leichten Schwierigkeitsgrad die allgegenwärtigen Kältekammern, sodass man nie einen Abschnitt wiederholen musste. Bei Bioshock Infinite ist das ebenfalls simpel gelöst. Wenn man mal stirbt, wacht man einem geschützten Ort wieder auf und kann sich erneut den Feinden stellen. Besiegte Feinde stehen in diesem Fall auch nicht wieder auf. Mich persönlich hat das gar nicht gestört, denn ich habe bei Bioshock Infinite große Erwartungen auf die Geschichte gelegt und bin nicht enttäuscht worden. Die Tatsache, dass man nur selten allein unterwegs ist (ja, ihr habt eine Begleiterin) macht die Abschnitte, wo nicht gekämpft wird, unterhaltsam und abwechslungsreich. Im Gegensatz dazu wurden die Elemente des klassischen Ego-Shooters weiter eingeschränkt. Man hat in Gefechten nicht viele Möglichkeiten auszuweichen. Meistens befindet man sich in einem schlauchförmigen Kartenabschnitt und legt Gegner mit den immer gleichen Methoden um. Die Spezialfertigkeiten der Vigors müssen zu Beginn fast nie eingesetzt werden. Erst später, wenn der Schwierigkeitsgrad ansteigt, sind sie plötzlich sehr wichtig.

Die grafische Leistung des Spiels kommt schon bei meiner alten Grafikkarte Radeon 5770 an ihre Grenzen. Ich konnte alles auf höchsten Einstellungen ruckelfrei spielen. Trotzdem sieht die Grafik nicht billig aus, was vor allem der atemberaubenden Kulisse zu verdanken ist.
Einige Texturen sehen dennoch etwas unfertig aus und einige Hallen und Innenräume wirken unvollständig. Besser gemacht hat das beispielsweise Skyrim, wo auch Häuser atmosphärisch und detailliert eingerichtet wurden.

Fazit

Das Knifflige bei allen Bioshock-Spielen ist ja nicht zu viel verraten. Ich habe hier fast gar nichts gespoilert und möchte das auch nicht im Fazit tun. Bioshock Infinite ist ein Spiel, das 100% Fokus auf die Geschichte gelegt hat und damit für mich eher in die gleiche Kategorie wie Heavy Rain passt, als in die des Shooters a la Call of Duty oder Borderlands. Deshalb werte ich die eigentlichen Shooterkriterien, wie Waffenauswahl, Schießverhalten und Gefechte etwas geringer bei diesem Titel. Bioshock war für mich ein 15 Stunden-Kinofilm, wie ich ihn sonst nur von echten Hollywoodklassikern kenne. David Lynch hätte seine helle Freude daran. Wer mal etwas Neues erleben will und nicht vor einer hochkomplexen Story zurückschreckt, der sollte nicht mehr warten und sich dieses Spiel zulegen. Fans von Bioshock 1, bzw. 2 waren ja zum Teil enttäuscht, dass es sich nicht mehr wie die Vorgänger spielt. Ich unterschreibe die Unterschiede zum Gameplay absolut, finde aber den Spaßfaktor ebenso groß wie in Bioshock 1.

Skylines Bioshock Infinite
Die Skylines sind die Transportwege von Columbia

3 Kommentare

  1. Schöner Bericht!
    Bin das Spiel auch zurzeit am Spielen. Muß aber immer wieder feststellen, dass es mich nicht so richtig fesselt wie andere Titel. Weiß noch nicht warum.

  2. Hallo Kollege,

    leider liegen unsere Meinungen etwas auseinander. Ich war von Bioshock Infinite eigentlich total enttäuscht. Nicht falsch verstehen, die Story ist echt klasse, aber eben gerade die Shooterelemente kommen meiner Meinung nach sehr schlecht rüber. Da gab es schon wesentlich bessere Sachen. Als Beispiel, ich zocke gerade die Mass Effect Trilogy, komplett, 1 und 2 sind schon durch, die finde ich von der Verknüpfung Shooter mit Story, wesentlich besser.

    OK,OK komplett anderes Genre was die Story angeht. Aber bevor ich abschweife, ich finde die Idee eines Bioshock Films sehr gut, das ganze hat großes, wenn nicht episches potential für eine interessante Filmtrilogie (ist ja absoluter Trend im Moment). Aber ich bin eigentlich gerade auf Ideensuche für meine eigene, kleine Gamesseite Playstation Choice, vielleicht hast du ja noch Ideen, oder magst mal vorbeischauen und deine Meinung hinterlassen, irgendwie fehlt mir noch was… ich weiß nur nicht was…

    Gruß Frank

  3. Hey,
    Guter Post muss ich erstmal sagen!! ;) Sehr ausführlich und gut geschrieben. Eine Sache ist mir aufgefallen: Der Protagonist heißt Booker DeWitt und nicht Clinton.
    Und was das Spiel betrifft kann ich dir nur zustimmen. Spielerisch eher untere Mittelklasse aber storytechnisch ganz weit vorne. Die Story ist der Hammer und lässt die ganze Trilogie in neuem Licht scheinen. Ich war einfach nur fertig als ich es beendet hatte.
    Von der Atmosphäre fehlte mir etwas der Gruselfaktor der ersten beiden Teile. Rapture war schon deutlich beklemmender als Columbia. Aber dennoch ein geniales Spiel!

    Lieben Gruß,
    Fenris

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