Perma Death in Star Citizen – Spaßkiller?

Female Star Citizen Character

Bei Star Citizen dreht sich im Grunde alles um Persistenz – Wir benutzen dieses Wort im Deutschen eher selten im Zusammenhang mit Computerspielen. Es bedeutet in etwa Beständigkeit, also eine Tatsache, die unweigerlich auch auf das Universum zutrifft. Chris meint allerdings nicht die Planeten, Sonnen und Gesetze der Physik, sondern die Spielwelt an sich: Wirtschaftssystem, politische Faktoren, Kleidung, Ausrüstung, Schiffe und Leben und Tod von Spieler-Charakteren. Um einen hohen Grad an Realismus zu schaffen, soll also jede Handlung in der Welt von Bedeutung sein und entsprechende Auswirkungen auf die Spielwelt haben. Wir erinnern uns an eines der ersten Rollenspiele, in denen Spieler Entscheidungen treffen konnten, die den Verlauf des Spiels signifikant verändern konnten (Fable, 2004). Chris möchte solche Dynamic Decision Making Prozesse in Star Citizen integrieren, sodass eure Entscheidungen und Taten nicht unvergessen bleiben werden. In dem Science Fiction Spiel „Freelancer“ (2003), von Digital Anvil und ebenfalls zunächst betreut von Chris Roberts gab es ebenfalls erste Versuche Spielerhandlungen für das spätere Spiel zu speichern. Dort handelte es sich um ein grobes Fraktionssystem, wo verbündete und verfeindete Fraktionen gelistet wurden und euer Verhalten deren Reputation beeinflusste. So ein Feature wird uns auch in Star Citizen erwarten. Doch der aus meiner Sicht einzigartige Aspekt der Persistenz ist der Perma Death von Spielercharakteren. Euer Spielercharakter kann also endgültig sterben. Nach dem Tod werden einige (aber nicht alle) Gegenstände und Raumschiffe an den nächsten Charakter des Spielers vererbt und die Taten des Vorgängers sollen in einer Hall of Fame verewigt werden.

Male Character in Star Citizen
Emilio Rodriguez, Pilot einer Constellation im Star Citizen Universum. Lediger, zwielichtiger Durchschnittstyp. Wie alt wird er werden?

A million ways to die in the Universe

Wer schon mal einen Science-Fiction Shooter gespielt hat, weiß, dass seine Lebenserwartung nicht allzu hoch ist. In Spielen wie Day-Z sehen wir, wie alt Spielercharaktere werden können, wenn sie sich völlig frei in einer Sandbox Spielwelt mit anderen Mitspielern und NPCs bewegen können – nämlich manchmal nicht älter als eine Stunde. Nun will Star Citizen einige Tode gestatten: Man soll bei einem ungewollten Ableben mehrere Male auf einer Krankenstation aufwachen können und Narben von seinem schlimmen Unfall davontragen. Ab wann sein eigener Charakter nur noch wie ein Flickenteppich aussehen wird, ist noch nicht bekannt, genauso wenig, wie das endgültige Ableben eines Charakters. Schon etwas konkreter können wir werden bei den Arten, wie es denn zu Ende gehen könnte, denn die Alpha ist bereits spielbar und bietet Einblicke in die späteren Gefahren für angehende Piloten in Star Citizen. Ich habe mal eine Liste zusammengestellt, was euch so zustoßen kann.

Perma Death in Star Citizen - Tonight We Dine In HellTod durch…

  • Abschuss im Raumschiff durch feindlichen Spieler
  • Abschuss im Raumschiff durch NPCs
  • Abschuss mit Handfeuerwaffen durch Spieler auf einer Station
  • Abschuss, wenn ihr das Schiff verlasst oder wenn ein Schiff von Spielern gekapert wird.
  • den Abschuss mit Handfeuerwaffen durch einen NPC.
  • Unfälle mit dem eigenen Schiff
  • Unfälle mit anderen Schiffe (auf dem Rollfeld oder im Weltraum)
  • Fallschaden
  • Bugs
  • Vergessen des Raumanzugs
  • Disconnects
  • Friendly Fire
  • Cheater

Wir brauchen uns nichts vorzumachen – unsere Charaktere werden in regelmäßigen Abständen das Zeitliche segnen und als aktiver Rollenspieler bringt dieses Element zum einen natürlich eine Faszination mit sich, die mich sehr anspricht, zum anderen aber auch eine begründete Sorge, dass geliebte Charaktere viel zu kurz leben, um sich mit ihnen zu identifizieren.
Wir stehen vor einer Zwickmühle: Möchte man spannende Abenteuer erleben und auch mal die sicheren Grenzen der eigenen Systeme verlassen? Möchte man als Händler profitable, längere aber auch riskantere Routen durch das Universum von Star Citizen fliegen? Möchte man auch mal an einem Dogfight teilnehmen? Möchte man auch mal eine Handfeuerwaffe in einem Schusswechsel einsetzen? – Sobald es zu einem Kampf kommt, gibt es einen Sieger und einen Verlierer und die Konsequenz für eine solche Selbstverständlichkeit in einem Videospiel ist für mich schwer zu verdauen. Der einzige Weg, um seinen Charakter lange zu spielen wäre folglich sich aus allen brenzligen Situationen rauszuhalten. Entschuldigung? Warum sollte sich ein Spieler auf das Vermeiden von Gefahren jeglicher Art spezialisieren und stets nur seine Fähigkeiten „Weglaufen“ und „Verstecken“ trainieren? Wir spielen immerhin noch ein Spiel – Persistenz ist gut, Realismus auch, aber sobald die Spielmechanik dazu führt, dass Kernelemente des Spiels durch sich selbst bedroht werden (die Identifikation mit seinem Charakter + das Spiel in seiner Fülle an Funktionen auszunutzen), dann sehe ich ein Problem – zumindest für einen (vermutlich großen) Teil der Spielerschaft. Viele von euch werden das vielleicht nachvollziehen können: Habt ihr vielleicht auch schon ein MMO gespielt und dort euren ersten Charakter nie gelöscht, selbst wenn er nicht optimal geskilled wurde? Wir schließen schließlich unsere Charaktere ins Herz und möchten, dass sie mit uns gemeinsam alle Abenteuer erleben. Das könnte in Star Citizen unmöglich werden.

Female Character in Star Citizen
Jessica „Paw“ Miller. Das Nesthäkchen bei AEGIS LOGISTICS (Transportunternehmen in Star Citizen) und viel zu jung für den Perma Death.

Verdirbt uns das den Spielspaß?

Für einen Perma Death spricht, dass Spieler besser auf ihr Schiff achtgeben, möglicherweise vorsichtiger fliegen, gewissenhafter spielen und weniger Kamikaze Aktionen durchführen. Doch wir wissen, dass es auch in Star Citizen, welches eine sehr reife und anspruchsvolle Community hat, Trolle geben wird, denen egal sein wird, welche Konsequenzen der Perma Death haben wird. In Verbindung mit realistischem Spielverhalten (was ebenfalls zu Kämpfen führt), Unfällen und technischen Problemen werden wir der ständigen Gefahr ausgesetzt sein unseren Charakter mitsamt einem Haufen technischem Equipment zu verlieren, das uns nicht ersetzt wird. Wir können nur hoffen, dass die Sanktionen für den Perma Death nicht so schlimm sein werden oder dass sie das Spiel sogar lähmen. Wir möchten neben Persistenz auch Spaß und Action haben! Ich hoffe sehr, dass Chris und seine Crew den Perma Death noch einmal in seiner angekündigten Form überdenken.

Was meinst du zum Thema Perma Death? Hinterlass uns doch einen Kommentar.

2 Kommentare

  1. Chris sagt: Antworten

    Hey das PC Game hört sich ja interessant an. Ich mag Science-Fiction Spiele ;-)
    Tolle Seite, freue mich über jeden Beitrag von euch

  2. Gido sagt: Antworten

    Jetzt in den Weihnachtstagen werde ich mir mal das Spiel an die Brust nehmen!

    Danke für diese ausführlich Review!

Schreibe einen Kommentar